Interview mit Lajana Teut, hoop Kirche Bremen - Hoffnungsträger
Familienbesuch in Sambia aus dem Patenprogramm mit Lajana Teut von hoop.

Auf den Spuren Sambias.

Seit der Corona-Krise ist an das Reisen in nahe und ferne Länder nicht mehr zu denken. Anfang 2020, als das noch uneingeschränkt möglich war, besuchte die angehende Pastorin Lajana Teut (hoop Kirche) mit Hoffnungsträger das Patenkind-Programm im afrikanischen Sambia. Im Interview sprechen wir mit ihr und Cinzia Wieland von Hoffnungsträger über die Erlebnisse, die man nur persönlich vor Ort machen kann.

Was war der Anlass zur Sambia-Reise mit Hoffnungsträger?

Lajana Teut: Wir wollten sehen, was vor Ort wirklich passiert. Als Kirche haben wir uns dazu entschieden, das Land Sambia konkret in den Fokus zu nehmen und im Gebet und durch unsere Hilfe zu unterstützen. Um zu wissen, wofür wir eigentlich beten, war es uns wichtig, einen authentischen Blick auf das Leben dort zu bekommen. Als wir dann hörten, dass Hoffnungsträger eine Reise nach Sambia unternimmt, war das ein totales Geschenk für uns!

Sambia-Reisegruppe 2020 mit Hoffnungsträger, hoop Kirche Bremen und Fotograf Max Bader
Die Sambia-Reisegruppe 2020 (v.l.n.r.): Lajana Teut (hoop, Pastorin in Ausbildung), Nora Mengel (hoop, Pastorin in Ausbildung und Patin für ein Kind in Sambia), Michael Heitmann (Pastor hoop Kirche am Campus Bremen), Manuela Decker (Hoffnungsträger, Marketing- und Eventmanagement), Max Bader (Fotograf und Mediengestalter, Pate für ein Kind in Sambia), Cinzia Wieland (Hoffnungsträger, Leitung Kommunikation und Fundraising).

Wie ist der Kontakt zu Hoffnungsträger entstanden?

Lajana: Für uns als hoop Kirche ist es wichtig, Not nicht aus dem Blick zu verlieren und einen positiven Unterschied zu machen. Das ist genau das, was auch Hoffnungsträger praktisch umsetzt, zum Beispiel mit dem Hilfsprogramm für Kinder von Gefangenen und ihre Familien. Diese Arbeit hat uns von Anfang an begeistert. Deshalb wollten wir die Stiftung auch unbedingt bei unserer jährlich stattfindenden und übergemeindlichen Konferenz „Stepcon" dabeihaben. Dort ist Hoffnungsträger jetzt auch schon seit einigen Jahren als Charity-Partner dabei, was uns total freut. Mittlerweile sind wir feste Partner, weil es unser Anliegen ist, nicht nur für Menschen in der Kirche, sondern auch darüber hinaus einen Unterschied zu machen. Wenn jemand aus unserer Kirche also zum Beispiel eine Patenschaft übernehmen will, ist Hoffnungsträger unser erster Ansprechpartner.

Mit welchen Erwartungen / Vorstellungen bist du nach Sambia gereist?

Lajana: Für mich war es das erste Mal in Sambia. In Afrika war ich zuvor schon ein paar Mal, allerdings in Südafrika, wo ich in Townships mit Kindern gearbeitet habe. Insofern wusste ich kulturell gesehen ungefähr, worauf ich mich einlasse, und auch, wie das Zusammensein mit Kindern in solcher Armut sein würde. Auf die Zeit und die Begegnungen mit den Kindern habe ich mich auch dieses Mal wieder am meisten gefreut. Und die kulturellen Unterschiede neu zu spüren und aufleben zu lassen: Mir macht es total viel Spaß, unsere Kulturen zu vergleichen und von anderen zu lernen.

Dorfgemeinschaft in Sambia begrüßt Reisegruppe aus Deutschland.
Die „Gäste aus Deutschland“ werden von einer sambischen Dorfgemeinschaft festlich begrüßt, in dieser Gegend finden Besuche der Paten-Familien statt.

Welche kulturellen Unterschiede zwischen Sambia und Deutschland sind dir besonders aufgefallen?

Lajana: Die Offenheit der Sambier anderen Menschen gegenüber begeistert mich, besonders bei den Kindern. Ich war schockiert und begeistert zugleich, als uns ein Mädchen (ca. 6 oder 7 Jahre alt) bestimmt eine halbe Stunde durch das Dorf gefolgt war und plötzlich ganz selbstverständlich das Baby einer Mutter auf den Arm nahm, wo klar war: Die können sich nicht kennen! Wenn man das mal mit Deutschland vergleicht, wo viele nicht mal ihre eigenen Nachbarn kennen, geschweige denn Kontakt zu ihnen haben, ist das schon krass.

Kindergruppe in Sambia sitzt vor Hauseingang.
Die Kinder lassen sich ihre harten Lebensumstände nicht anmerken.

Was war seitens Hoffnungsträger für die Reisewoche geplant?

Cinzia Wieland: Wir wollten einen Gesamteinblick ins Patenkind-Programm geben und möglich machen, dass die Mitreisenden Familien aus dem Programm, bei denen ein Elternteil im Gefängnis ist, kennenlernen. Zeit mit Kindern im Rahmen eines Kinder-Events stand auf dem Programm – die Gelegenheit, mit den Kindern zu spielen und sich auszutauschen. Aber auch das Kennenlernen unserer lokalen Partner sowie die praktische Umsetzung unserer Arbeit vor Ort war ein Aspekt.

Wir haben die Nähschulen besucht, ein Bildungsprogramm, das wir mit unseren Partnern umsetzen: Es ermöglicht den alleingelassenen Frauen zu Hause, aber auch den Männern im Gefängnis, eine Ausbildung zu Näherinnen und Nähern zu machen. Zum Schluss fand der Besuch in einem Gefängnis statt: Das ist immer eine sehr eindrückliche Erfahrung für alle, mit den Strafgefangenen direkt zu sprechen.

Junge Frau sitzt an Nähmaschine in Sambia.
Besuch in der Nähschule. Das Projekt bildet Frauen und Männer zu Schneidern aus und ermöglicht so eine berufliche Zukunft.

Wie ist die Lebenssituation von Familien von Gefangenen in Sambia und wie hilft Hoffnungsträger?

Lajana: Wir haben Familien besucht, die schon länger im Hilfsprogramm waren. Von ihnen haben wir erfahren, dass sie unheimlich dankbar sind für das, was sie in den letzten Jahren an Unterstützung erfahren haben, sowohl durch die schulische Versorgung ihrer Kinder als auch durch Sonderspenden. Eine Familie hat uns erzählt und gezeigt, wie ein gespendeter Kühlschrank –  was für uns vielleicht selbstverständlich ist – ihren Alltag positiv verändert hat.

Familienbesuch in Sambia aus dem Patenprogramm mit Lajana Teut von hoop.
Zu Besuch bei einer Familie aus dem Hoffnungsträger-Patenprogramm. Die Gäste aus der hoop Kirche sprechen mit ihr über Herausforderungen und Hoffnungen.

Ist es nicht ein Problem, wenn die Familien so stark auf Unterstützung angewiesen sind?

Cinzia: Wenn man Familien von Gefangenen besucht, die noch nicht so lange im Programm sind, merkt man, dass es erst einmal darum geht, dass sie aufgefangen werden, weil sie stark von ihrem Umkreis isoliert werden: Die Kinder gehen nicht mehr zur Schule, von Nachbarn werden sie gemieden. Hier gilt es, mit den Sozialarbeitern den Kreislauf zu durchbrechen und einen Anfang zu machen – hin zur Bildung für die Kinder und durch Integration in die ortsnahe Gemeinschaft. Am Anfang wollen wir vor allem Halt geben, viele Kinder und Familien sind traumatisiert. Danach steht dann die Nachhaltigkeit im Fokus: Familien dazu zu befähigen, dass sie sich wieder selbst versorgen können, zum Beispiel durch unsere Projekte mit den Nähschulen und einer Hühneraufzucht.

Kindsein in Sambia.

Lajana: Das hat mich auch total begeistert! Bei einer Familie stand das ganze Wohnzimmer voll mit Eierkartons für den Verkauf ihrer Hühnereier, und alle in der Familie waren im Eier-Business involviert. (lacht) Es war total schön zu sehen, wie stolz sie waren, dass sie sich mit der Starthilfe für das „Chicken Farming(Anmk. d. Red.: Das Hühneraufzucht-Programm von Hoffnungsträger).

Wie sieht die Arbeit mit den inhaftierten Elternteilen im Gefängnis aus?

Cinzia: Wir bieten verschiedene Projekte an im Bereich ‚Resozialisierung und Versöhnung‘, wo es darum geht, dass sich Straftäter aktiv mit ihrer Tat auseinandersetzen, aber auch neue Zukunftsperspektiven entwickeln. Bestandteil dieser Arbeit sind geführte Opfer-Täter-Gespräche unter Einbeziehen der Betroffenen. Ein anderer Schwerpunkt ist die geförderte Aus- und Weiterbildung, damit die – hauptsächlich – Männer vorbereitet sind, einer Arbeit nachzugehen und ihre Familien versorgen zu können, wenn sie aus den Gefängnissen kommen. Das Ziel ist also, dass die Gefangenen ihre Zeit im Gefängnis nutzen und nicht zurückfallen in die Straffälligkeit.

Cinzia Wieland von Hoffnungsträger spricht mit Ex-Häftling in Sambia.
Einblicke in das Leben von Strafgefangenen. Cinzia Wieland (Hoffnungsträger) im Gespräch mit Jireh (Mitte), einem ehemaligen Gefangenen, der heute eine eigene Nähschule betreibt. Links: Patricia, Management Prison Fellowship Sambia.

Lajana, wie war es für dich, zum ersten Mal in einem Gefängnis zu sein?

Lajana: Es war anders, als ich erwartet hatte – offener und freier. Es gab sehr kleine Räume, wo extrem viele Insassen in einem Raum schlafen mussten. Aber tagsüber konnten sie sich frei im Gefängnis bewegen. Wir haben mit sieben Insassen reden können, alles Männer, die teils sogar erzählt haben, warum sie im Gefängnis sind. Einige von ihnen haben geweint, das waren tiefe Gespräche. Sie waren so sehr berührt davon, dass ihre Kinder draußen nicht auf sich alleine gestellt sind und versorgt werden. Da kam tiefe Dankbarkeit und Demut rüber. Man merkte ihnen an, dass sie durch die Hoffnungsträger-Programme schon einen persönlichen Weg im Gefängnis gegangen sind und sich mit ihrer Tat auseinandergesetzt haben.

„Obwohl ein Gefängnis sonst ein hoffnungsloser Ort ist, habe ich unter den Männern, die am Resozialisierungs-Programm teilgenommen haben, keine Hoffnungslosigkeit gespürt. Weil sie schon im Gefängnis eine Ausbildung machen konnten und wussten, dass ihre Familien draußen nicht verloren sind.” – Lajana Teut

Lajana Teut übergibt Kindern in Sambia Geschenke.
Lajana Teut verteilt beim Kinder-Event in Sambia Geschenke an die Kinder.

Was hat dich insgesamt während der Reise herausgefordert oder überrascht?

Lajana: Überrascht nicht, aber herausgefordert: zu sehen, wie die Bedingungen für die Menschen sind. Etwa die Arbeitsbedingungen vor Ort, zum Beispiel wegen fehlender Strukturen, aber auch Unvorhersehbarkeiten wie dem Wetter. Das haben wir selbst erfahren müssen, während wir das Kinder-Event mit Kindern und Familien aus dem Programm veranstalteten und es plötzlich heftig anfing zu regnen. Da gab es nicht wie in Deutschland eine große Halle oder ähnliches, wo man hätte hin ausweichen können. Mich hat es aber begeistert, wie die Ehrenamtlichen und Mitarbeiter ihre Pläne immer wieder umgeworfen haben, sich auf neue Situationen einlassen konnten und dabei das Wohl der Kinder im Blick hatten.

Beim Kinder-Event habt ihr als hoop Kirche eine besondere Aktion gemacht. Was hatte es damit auf sich?

Lajana: Im Dezember 2019 haben wir im Foyer unserer Kirchengemeinde vier ‚Wunschbäume’ gehabt, an denen wir Karten von Hoffnungsträger mit den Wünschen und dem Bedarf von Kindern aus Sambia drangehangen haben. Da stand dann zum Beispiel „Antony wünscht sich ein T-Shirt”, „Grace braucht eine neue Matratze”, und man hatte die Möglichkeit, das Geld dafür zu spenden.

Wir konnten mit den Spenden in Sambia T-Shirts, Fußbälle, Matratzen und vieles mehr kaufen und den Kindern direkt beim Event überreichen. Unsere Gemeinde hat sich mega gefreut und war so motiviert, als wir mit den Fotos der Aktion zurückgekommen sind, denn es kostet natürlich immer erst mal etwas Vertrauen, Geld für etwas zu geben, wo man nicht genau weiß, was damit passiert. Deshalb war es ein absoluter Segen für uns, dass wir sehen konnten, wie die Spenden den Kindern vor Ort tatsächlich helfen.

Was nimmst du von der Reise mit?

Lajana: Mangos für meine Familie. (lacht) Die ersten Tage nach der Reise haben mich die Geschichten der Menschen in Sambia beschäftigt. Vor allem die des Mannes, den wir bei der Besichtigung der Nähkurse getroffen haben. Das war der Hammer, was der für eine Vision hatte! Als er im Gefängnis war, hat er durch das von Hoffnungsträger unterstützte Programm nähen gelernt und schon dort den Wunsch entwickelt, dieses Wissen weiterzugeben, damit sich auch andere Menschen selbst versorgen können. Als er aus dem Gefängnis kam, hat er sich selbstständig gemacht und angefangen, als Ausbilder zu arbeiten. Er hat dazu seine eigene Kleidung verkauft und sich das ganze Equipment selbst zusammengekauft. Aktuell lernen über dreißig Frauen in dieser Schule das Nähen, und drei von ihnen sind fertig ausgebildet und bilden nun wiederum andere aus. So wird Hoffnung multipliziert! Aktuell gibt es allerdings nur acht Nähmaschinen für die ganze Gruppe. Das sind natürlich viel zu wenige. Wir wollen Spenden für weitere Nähmaschinen sammeln.

Wie können andere helfen?

Cinzia: Man hilft einer Familie durch eine Patenschaft. Außerdem gibt es die Möglichkeit, wie die hoop Kirche eine Kooperation mit Hoffnungsträger einzugehen und gemeinsame Aktionen zu starten. Denn gemeinsam erreichen wir mehr!

Jetzt Sambia unterstützen: Spende für das Patenkind-Programm, um Kinder und Familien von Gefangenen eine gute Zukunft zu ermöglichen!

Jetzt spenden

Lajana Teut (hoop Kirche) ist angehende Pastorin und Leiterin des „Momentum hoop College” in Bremen (junge Menschen zwischen ca. 18-25 Jahren werden hier zehn Monate lang in verschiedenen theologisch-sozialen Themen ausgebildet). Mehr zur hoop Kirche

Cinzia Wieland (Hoffnungsträger) ist Ansprechpartnerin für interessierte Unterstützer der Hoffnungsträger-Programme wie dem internationalen Patenkind-Programm. Jetzt kontaktieren

Fotos: Max Bader, Fotograf und Mediengestalter sowie Hoffnungsträger-Markenbotschafter. Zur Website

Beitrag teilen: