Standortleitung Hoffnungshäuser Hoffnungsträger Konstanz Integration Flüchtlinge

Hoffnungshäuser Konstanz: Standortleiter Andrea und Roland Eberle.

Andrea und Roland Eberle sind seit November 2020 als Standortleitung bei Hoffnungsträger für die Hoffnungshäuser in Konstanz angestellt. Sie selbst sind in eines der Häuser eingezogen. Journalist Roland Marx trifft das Ehepaar in der neuen Wohnung und stellt ihnen Fragen rund um ihr spannendes Vorhaben.

Beitrag teilen:

Das Ehepaar kommt aus Bühl bei Baden-Baden und hat zwei erwachsene Kinder, die schon auf eigenen Beinen stehen. Ihre persönliche Motivation ist die Einbindung von Menschen in die Gesellschaft. Krisen als Chancen zu sehen. Menschen Möglichkeiten aufzuzeigen. Gemeinsame Wege gehen. Begleitend Grenzen überwinden. Einer ihrer Leitmotive ist “Celebrate diversity!”, also: Unterschiedlichkeiten feiern. 

Das möchten sie als Standortleitung leben, in den vier Hoffnungshäusern in Petershausen und dann auch in den beiden Häusern in Wollmatingen. Jetzt freuen sie sich auf die neuen Mitbewohnerinnen und Mitbewohner und viele Begegnungen. Ich hatte die Gelegenheit, die beiden in ihrer neuen Wohnung zu besuchen und meine Fragen loszuwerden. Noch steht Vieles nicht an seinem Platz, aber die Kaffeemaschine arbeitet, und ich darf ihre Gastfreundschaft erleben. Hier ein Auszug unseres Gesprächs. 

Wie sind Sie zu den Hoffnungsträgern gekommen?  

Über eine christliche Jobbörse, auf der die Stelle der Standortleitung ausgeschrieben war.  

Welche Aufgaben gehören zu einer Standortleitung?  

Hinter den Hoffnungshäusern steht ein integratives Wohnkonzept: Auch in den Häusern in Konstanz werden also geflüchtete und einheimische Menschen in einer aktiven Hausgemeinschaft zusammenleben. Wir werden dies verantwortlich begleiten und für die Mitbewohnerinnen und Mitbewohner ansprechbar sein. In den vergangenen Wochen waren wir mitbeteiligt, die Belegung der Häuser am Riesenbergweg festzulegen: Wie und mit wem können die einzelnen Wohnungen belegt werden? Es ist ein faszinierendes Puzzle von Menschen aus verschiedenen Nationen, Kulturen und Religionen.  

Hat sich das Konzept der Hoffnungshäuser bewährt? Gibt es schon Langzeiterfahrungen aus den ersten Hoffnungshäusern?  

Allerdings, die Hoffnungshäuser haben sich bereits bewährt. Unser integratives Wohnkonzept hat 2019 vom Land Baden-Württemberg den Integrationspreis erhalten. Und wurde 2020 vom Bündnis für Demokratie und Toleranz wie auch von der Bundeszentrale für politische Bildung ausgezeichnet. Gleichzeitig sehen wir, dass jedes Haus seine eigenen Erfahrungen macht, und nicht alle sind übertragbar. Weil jede Hausgemeinschaft individuell und auch das Umfeld unterschiedlich ist. Neben den vier Hoffnungshäusern in Petershausen und den beiden in Wollmatingen gibt es bereits Hoffnungshäuser in Bad Liebenzell, Esslingen, Leonberg, Schwäbisch Gmünd, Sinsheim und Straubenhardt. Im Herbst eröffnen wir außerdem in Calw einen sogenannten Hoffnungsort, der vor allem sozial benachteiligte Menschen im Blick hat. 

Gibt es am Standort Petershausen bereits Kontakte zu den Nachbarn?  

Anfangs gab es kritische und ablehnende Stimmen zu dem Vorhaben der Stadt, hier vier Hoffnungshäuser zu bauen. Nachdem die Hoffnungsträger den Zuschlag für die Umsetzung der Bebauung bekamen, gab es Gespräche mit den anliegenden Bewohnerinnen und Bewohnern. Mit dem Ergebnis, dass viele Bedenken ausgeräumt und die ursprünglich geplante Lage der Häuser leicht verändert wurde, was sich im Nachgang jetzt für alle als Gewinn herausgestellt hat. Letzte Woche haben wir als die Neuen bei unseren Nachbarinnen und Nachbarn einen Antrittsbesuch abgestattet. Wir wurden freundlich aufgenommen und hatten viele gute Gespräche.  

Fühlen Sie sich eingebunden in die Integrationsarbeit der Stadt Konstanz? Gibt es Kontakt zu anderen Organisationen?  

Dankbar sind wir über den Kooperationsvertrag zwischen der Stadt Konstanz und den Hoffnungsträgern. Wir fühlen uns als Partner auf Augenhöhe, und die Kontakte zur Stadt sind sehr konstruktiv. Auch den Leiter der Stabstelle „Konstanz International“, Herrn Dr. David Tschakoura, haben wir schon kennengelernt, ebenso Leute von örtlichen Organisationen und Initiativen, wie zum Beispiel „Save me“ und der Kampagne „83 integriert“. 

„Dankbar sind wir über den Kooperationsvertrag zwischen der Stadt Konstanz und den Hoffnungsträgern. Wir fühlen uns als Partner auf Augenhöhe, und die Kontakte zur Stadt sind sehr konstruktiv.” – Andrea Eberle 

Viele der Geflüchteten haben einschneidende Erlebnisse und traumatisierende Erfahrungen hinter sich, die eine adäquate psychologische Betreuung und psychiatrische Behandlung unabdingbar machen. Ist das bei den Hoffnungsträgern auch ein Thema?  

Ja, natürlich. Auch in unseren Häusern leben Menschen, die traumatisierende Erfahrungen gemacht haben. Wenn sie bereits gut betreut werden, ist es uns wichtig, dass sie diese Kontakte beibehalten. Ansonsten versuchen wir, entsprechende Hilfe zu vermitteln. Die Hoffnungsträger ermuntern uns generell, als Standortleitende und auch als Sozialarbeitende solche Fortbildungsangebote zu nutzen. 

Die Holzpreise sind in den letzten Monaten enorm gestiegen. Der zentrale Baustoff der Hoffnungshäuser ist ja Holz. Ergibt das ein Problem für weitere Hoffnungshaus-Standorte?  

Ja, die Kostenfrage und Finanzierung ist nicht einfacher geworden.  

Die Hoffnungshäuser am Riesenbergweg (Konstanz-Petershausen) sind trotz Corona schnell gebaut worden. Auch in der Stifterstraße (Konstanz-Wollmatingen) steht bereits der Rohbau. Wann rechnen Sie mit einem Bezug?  

In Wollmatingen planen wir mit dem Einzug Anfang 2022.  

In der Stifterstraße sind wir als Kirchengemeinde direkte Nachbarn. Wie geht es da mit ihren Nachbarn so? 

Es war uns eine Hilfe, dass wir ganz unbürokratisch Räume im Gemeindezentrum "K10" der Evangelischen Kirchengemeinde Konstanz-Wollmatingen für Besprechungen und kleine Meetings nutzen konnten, bis unsere Räumlichkeiten im Riesenbergweg fertig waren. Wir sind sehr dankbar für die guten Kontakte mit Pfarrer Beekmann und einigen anderen Gemeindegliedern, die wir schon persönlich kennenlernen durften.  


Hoffnungshäuser in Kostanz 

Der Hoffnungshaus-Standort in Konstanz besteht aus insgesamt sechs Häusern, davon haben vier Häuser im September 2021 in Konstanz-Petershausen eröffnet, zwei weitere folgen im Stadtteil Konstanz-Wollmatingen. 

Text und Fotos stammen von Roland Marx und wurden im Gemeindebrief “Unterwegs” (2/2021) der Evangelischen Kirchengemeinde Konstanz-Wollmatingen veröffentlicht. 

Beitrag teilen: